Leserbrief zu „BNN 07.03.2015: Bahnstrecke künftig vierspurig?“ und der aktuellen Verkehrssituation in Hagsfeld

Bislang war ich immer ein stiller Beobachter der Dinge, die sich in und um unseren Stadtteil, in dem ich mit meiner Familie sehr gerne wohne, zutragen. Ich habe meine Unterschrift und meine Wahlstimme immer dann abgegeben, wenn ich hoffte, dass sich damit etwas in die richtige Richtung, nämlich Verkehrsentlastung und somit Aufwertung der Wohnqualität, bewegt. Die Situation hat sich jedoch in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert. Die aktuelle Berichterstattung in den BNN über den weiteren Ausbau der Bahnstrecke Karlsruhe – Mannheim sowie die aktuell angespannte Verkehrssituation lassen mich nun nicht mehr länger stillhalten. Ich und sicher viele andere stellen sich die Frage: Was sollen wir hier in Hagsfeld noch alles aushalten?

Klar, zugegeben, wir wohnen zentral; die einen, weil sie schon immer hier leben, die anderen, weil sie sich bewusst dafür entschieden haben. Aber die stetig zunehmende Verkehrsbelastung müsste nicht sein. Da wird einem zunächst eine riesige Autobahnausfahrt, die an der grünen Wiese endet, vor die Tür gesetzt. Täglich schleichen oder rasen, je nach Verkehrsaufkommen oder zugeparkten Straßenrändern, Autos aus allen Richtungen, die wenigsten davon Anwohner, an unseren Häusern vorbei. Wie viele das sind, sieht man jetzt noch verstärkt seit der Sperrung der Hagsfelder Brücke, die zu massiven Rückstaus im Ortskern bis in die Waldstadt und Richtung Stutensee führt. Als nächstes, die Bäume sind bereits gerodet, siedelt sich ein großes Logistikunternehmen unmittelbar am Ortsrand an und der zu erwartende LKW-Verkehr wird zusätzlich die Straßen im Industriegebiet verstopfen. Der PKW-Verkehr wird sich dann innerorts seine Ausweichstrecken suchen.

Da kann man ja auch noch gleich den Bahnverkehr, sei es durch mehr Gleise oder erhöhte Frequenz, aufstocken. Wer in Hagsfeld wohnt, ist ja anscheinend lärm- und verkehrsresistent. Leider muss man jedoch sagen: wir sind nicht resistent, wir haben einfach schon resigniert und sind enttäuscht von den Politikern, die zu Wahlzeiten viel versprechen, dann doch nichts halten oder nur ansatzweise aktiv werden, bevor dann die Initiative wieder im Sande verläuft. Im Gegenteil: sie reißen neue Baustellen auf. Kann man nicht erstmal ein Projekt, nämlich die Verkehrsentlastung Hagsfelds durch eine Umgehungsstraße, vorantreiben, anstatt den Stadtteil schon wieder von anderer Seite mit Lärm- und Verkehrszunahme zu drangsalieren. Ein vielleicht naiver Gedanke, aber ich spreche einfach nur aus, was viele Bewohner Hagsfelds gewaltig aufregt, nämlich, dass sich mal wieder, wie in den Jahrzehnten zuvor, nichts tut.

Bleibt nur am Ende die Hoffnung, dass sich das Ganze, wie bei solchen Projekten ja häufig der Fall, so lange hinzieht, dass wir es nicht mehr erleben. Leider auch die Verkehrsentlastung. Aber natürlich möchte ich auch, dass der Stadtteil für meine Kinder weiterhin lebenswert bleibt, und allein dafür sollten sich die von uns gewählten Volksvertreter einsetzen.

Leserbrief von Stephanie Hölzer, Ruschgraben 78, 76139 Karlsruhe – Hagsfeld