Ergebnisse zur Umfrage zur aktuellen Situation bzgl. Lärmbelastung und Erschütterungen

Nach der Erneuerung der Bahngleise und des Bahnsteigs in Karlsruhe-Hagsfeld im Jahr 2014 stellten viele Anwohner eine Zunahme der Lärmbelastung und auch der Erschütterungen fest. Um uns ein umfassendes Bild der Situation und der Belastung der Anwohner zu machen, haben wir einen Fragebogen erstellt und diesen an die direkten Anwohner verteilt. Über die Ergebnisse möchten wir hier informieren.

Verteilt wurden ca. 100 Umfragebögen, d.h. in die Briefkästen eingeworfen. Allerdings i.d.R. nur an direkte Anwohner an der Bahn. Wir haben auch bewusst keine persönliche Ansprache vorgenommen, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Der Rücklauf war überwältigend: 42 ausgefüllte Fragebögen erhielten wir zurück, 40 davon konnten im Schreiben an die Bahn berücksichtigen konnten, zwei weitere gingen leider erst nach dem Schreiben an die Deutsche Bahn ein.

Die 40 Bögen wurden ausgewertet, das Ergebnis war sehr deutlich. Die klare Mehrheit der Angaben lag im Bereich des Feldes „höher/mehr“. Da unsere eigenen Beobachtungen somit bestätigt waren, wurde ein entsprechendes Schreiben an die Deutsche Bahn verfasst. Die aktuelle Situation wurde sehr ausführlich beschrieben, die Umfrageergebnisse graphisch aufbereitet beigelegt und auch einige sehr aufschlussreiche Rückmeldungen aus dem Textfeld des Fragebogens zitiert. U.a. wurden folgende Forderungen/Vorschläge unterbreitet:

– Überprüfung und Verbesserung der Gleise und des Gleisbetts
– Reduzierung der Durchfahrtsgeschwindigkeit der ICEs
– Überprüfung der Geschwindigkeit der Güterzüge
– Überprüffung des Lärmschutzes

Einige Wochen darauf erhielten wird eine Antwort von der DB Netz AG, Regionalbereich Südwest. Dass diese ausführlich war, hat zumindest gezeigt, dass unser Anliegen ernst genommen wurde. Zunächst wurde erläutert, dass wir an einer sog. „Bestandsstrecke“ wohnen. Daher gibt es hier keine gesetzlichen Verpflichtungen zu Lärmschutzmaßnahmen. Auch dürfen die definierten Geschwindigkeiten auf diesen Strecken genutzt werden. Neben diesen allgemeinen Antworten wurde auch auf die konkreten Vorschläge eingegangen.

Wahrnehmung ICEs fahren schneller:
– die zulässige Geschwindigkeit wurde nach der Gleiserneuerung nicht verändert
– eine Geschwindigkeitsreduzierung sei nicht möglich, da der Fahrplan auch international verkehrender Züge an der zulässigen Geschwindigkeit ausgerichtet sei
– bzgl. der Güterzüge wurde darauf hingewiesen, dass bis im Jahr 2020 alle ca. 60.000 DB-Bestandsgüterwagen mit sog. Flüsterbremsen ausgestattet sind. Güterzüge waren bis vor wenigen Jahren ausnahmslos mit sog. Grauguss-Klotzbremsen ausgerüstet. Dieses Bremssystem rauht die Radlauffächen auf und verursacht über das laute Rollgeräusch einen Großteil des Schienenlärms aus dem Güterverkehr.

„Lautere Züge“ und Überprüfung des Lärmschutzes:
– Grundsätzlich bestehe bei einer Gleiserneuerung für die DB Netz AG keine Verpflichtung zu Lärmuntersuchungen.
– Durch das Einbringen von neuem Schotter ergibt sich eine geringere Schallabsorption als bei einem 20 Jahre alten Oberbau. Allerdings ist der Unterschied in einer für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbaren Größenordnung einzustufen.
– Durch den Umbau ist zwar eine Erhöhnung der Bahnsteigkante erfolgt (38 auf 76 cm). Hierdurch kann sich die Schallreflexion und Schallausbreitung ebenfalls ändern.
– Der Umbau der Bahnsteige sei jedoch keine wesentliche Änderung im Sinne der 16. BlmSchV, so dass kein Gutachten erforderlich wurde, das die Auswirkungen der Bahnsteigerhöhung untersucht hätte.
– Somit besteht sowohl aus der „Gleiserneuerung“ als auch aus dem „Bahnsteigumbau“ keine rechtliche Verpflichtung und auch keine Notwendigkeit, über die bereits vorhandenen Lämrschutzmaßnahmen hinaus weitere Lärmschutzmaßnahmen umzusetzen.

Geschwindigkeit im Bahnsteigbereich:
– Die Strecke ist mit den heute zugelassenen Geschwindigkeiten planfestgestellt und genehmigt. Es ist ein anerkanntes und gängiges Verfahren auch im Bahnsteigbereich 200 km/h zuzulassen.

Gleislage:
– Durch die DB Netz AG wurden im Rahmen der Gleiserneuerung keine Veränderungen der Gleiskörper vorgenommen. Die Auswertungen der Messprotokolle der Messfahrten ergaben keine Abweichungen von der Sollgleislage.
– Bei einer Ortsbegehung wurden keine Auffälligkeiten festgestellt.
– Allerdings befindet sich im Bahnsteigbereich ein Isolierstoß, der für die Gleisfreimeldetechnik erforderlich ist. Aus Erfahrung an anderer Stelle weiss die DB Netz AG aber, dass sich durch die Beschaffenheit eines Isolierstoßes eine andere Wahrnehmung der Geräuschentwicklung und Erschütterung ergeben kann. Daher wird der betreffende Isolierstoß nochmal getauscht.

Wir haben also auch hier einen Erfolgt erzielt. Ein Isolierstoß kann durchaus eine Auswirkung haben, wie hier beschrieben ist:
http://www.oz-online.de/-news/artikel/5679/Anwohner-koennen-bald-wieder-schlafen
http://www.hna.de/lokales/hann-muenden/klack-geraeusch-nervt-anwohner-722459.html

Der Tausch der Isolierstöße erfolgt Mitte/Ende März 2016, da dies einen Vorlauf von mind. 14 Wochen benötigt.
Erst dann können wir beurteilen, ob dies eine Verbesserung bringt. Vorher macht es daher auch wenig Sinn, weitere Vorschläge zur Verbesserung zu unterbreiten bzw. die Antworten weiter zu hinterfragen.

Wir werden also am Thema dranbleiben und informieren, falls es neue Erkenntnisse gibt.