BNN 16.04.2015: In Hagsfeld formiert sich der Widerstand. Bürgerinitiative gegen den Ausbau der Bahnstrecke wird aktiv / Regionalverband mahnt.

BNN – Nun regt sich massiv der Bürgerprotest in Hagsfeld – und Auslöser sind die Deutsche Bahn und ihre Korridorstudie Mittelrhein. Was den Verkehr angeht, sind die Hagsfelder Kummer gewöhnt – ihr Ärger konzentrierte sich aber auf den Auto- und Lkw-Verkehr. Die Bahnstrecke mitten durch den Stadtteil gehört da fast schon zum Inventar. Aber als die Planungen der Bahn über einen möglicherweise vierspurigen Ausbau der Bahn mitten durch den Ort nach Jahren in den Schubladen vor wenigen Wochen auf die politische Agenda geriet (die BNN berichteten mehrfach), verstand so mancher Bürger die Welt nicht mehr. Dieser Ärger macht sich nun Luft und zwar in der Gründung einer Bürgerinitiative. Sie heißt „Hagsfeld Zweigleisig“ und ist gerade dabei, Mitstreiter zu sammeln. Sie sieht im Ort neben den vorhandenen Gleisen – in einem Teilabschnitt liegen ja noch zwei Stadtbahngleise zusätzlich neben den DB-Gleisen – keine Möglichkeit für weitere Gleise, andererseits befürchtet sie eine zusätzliche Belastung durch Lärm, Feinstaub sowie Schäden durch Erschütterungen. Sprecher der noch jungen Gruppe ist Björn Stieler.
Die Korridorstudie
Er bezieht klare Position: „Diese Studie ist nicht hinreichend“, sagte Stieler gegenüber den BNN. Die Vorstellungen der Deutschen Bahn, mitten durch Hagsfeld die bisherigen zwei auf vier Gleise zu erweitern, kann er nur kopfschüttelnd kommentieren. „So geht das gar nicht“. Mitstreiterin Maria Ivancevic-Mengen ärgert sich vor allem über die Informationspolitik. Wie viele andere hat sie von den Planungen erst aus den BNN erfahren. „Wann hätten wir als direkte Anwohner informiert werden sollen, dass vom Hauptbahnhof Richtung Graben-Neudorf das Bahngleis von jetzt zwei auf vier Spuren ausgebaut werden soll, dass es eine Zunahme von „jetzt 250 auf 660 Züge pro Tag unter Wegfall unseres Lärmschutzwalls sein wird?“ Heute Abend trifft sich die Bürgerinitiative in Hagsfeld zu einem Arbeitstreffen. Am 29. April ist eine Vorortaktion mit Abgeordneten und Vertretern von Fraktionen geplant.
Hintergrund ist die von der Politik gewollte und in Verträgen etwa mit der Schweiz festgelegte Kapazitätserweiterung für den Güterverkehr auf der Schiene. Die Bahn erwartet auf der europäischen Hauptroute Rotterdam – Genua stark steigenden Güterverkehr. Deutschland ist massiv im Verzug. Das gilt auch für die Hauptstrecke über Mannheim, Graben-Neudorf und Karlsruhe nach Süden. Die jüngst durch das Bundesverkehrsministerium vorgestellte Korridorstudie empfiehlt unter anderem den vierspurigen Ausbau zwischen Graben-Neudorf und Karlsruhe. Der angedachte Bypass über die Pfalz, den Rhein und die sogenannte Dammerstocker Kurve ist vom Tisch. Außerdem empfiehlt die Studie ein drittes Gleis zwischen Karlsruhe und Durmersheim.
Die Politik
Dies alles dient zur Vorbereitung eines neuen Bundesverkehrswegeplans. Die Abgeordneten haben sich in dieser Sache bereits positioniert. Deren Tenor: Ausbau des Güterzugverkehrs ja, aber die Auswirkungen auf Hagsfeld und die Region müssen minimiert werden. So verlangt beispielsweise der Bundestagsabgeordnete Ingo Wellenreuther (CDU) einen klaren Fokus auf die Interessen der Anwohner. Der Landtagsabgeordnete Johannes Stober (SPD) fordert einen Tunnelbau, vergleichbar mit dem geplanten Tunnel für Offenburg; Nur so sei für ihn der Ausbau denkbar.
Stadt und Region
Gestern Nachmittag beschäftigte sich auch der Planungsausschuss des Regionalverbände mit dem Projekt. Dabei wurde eine Karlsruher Erklärung zum Güterverkehr verabschiedet. Ein Kernsatz dabei heißt: „Akzeptanz bei den Menschen erfordert einen vorausschauenden Lärmschutz entlang des Korridors, sowohl bei der Trassenwahl als auch beim Betrieb, sowohl beim rollenden Material als auch an der Strecke und an den Gebäuden.“ Weiter fordert der Regionalverband von der Bahn Transparenz. Bei der Stadt ist die Bahn als potenzieller Planer noch nicht vorstellig geworden – im Rathaus erklärt man sich dies dadurch, dass es sich noch um „Vorstudien“ handelt. Ähnlich formulierte es Regionaldirektor Gert Hager, der es „Bedarfsstudien“ nannte.
Treffen
Am 29. April trifft sich die Bürgerinitiative um 16 Uhr an der Haltestelle der S 2 Bahnhof Hagsfeld mit Abgeordneten, Städträten und der Stadtverwaltung. Die Initiative hat auch eine Homepage, nämlich www.hagsfeld-zweigleisig.de

Mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers. Originalseite BNN-20150416-Hagsfeld-Fortschreibung.